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  24.09.2017 Ferienhaus Ostsee

Tom

„ Unser süßer Sohn ertrank im Hotel-Pool“
Ein schwüler Sommerabend im Hamburger Stadtteil Rahlstedt. Verzweifelt rüttelt Uli Holz (37) an der Gittertür des Friedhofs. Sie ist abgeschlossen. Dabei möchte er doch heute unbedingt noch frische Blumen auf das Grab seines Sohnes legen. Also klettert er vorsichtig über den rostigen Zaun. Seine hochschwangere Frau Susanne (36) wartet derweil draußen vor dem Tor. Sie will keinen Sturz riskieren. Den Weg zum Grab von Tom Leon kennt Uli im Schlaf. Fast täglich besucht er es. Sein Sohn ertrank letztes Jahr im Sommerurlaub in einem Hotel-Swimmingpool in Griechenland- nur drei Jahre, sieben Monate und 18 Tage alt.

„ Seitdem ist nichts mehr, wie es mal war. Und nichts wird je wieder so werden“, sagt Uli und kämpft mit den Tränen. Er legt den Strauß nieder und stellt neue Teelichter in kleine Laternen, die das Grab in flackerndes Licht tauchen. „ Tomi liebte Ernie aus der Sesamstraße und Bob, den Baumeister“, erzählt Uli. Die Comic-Figuren stehen auf dem Grab inmitten unzähliger bunter Blumen, einem kleinen Feuerwehrauto und anderen Lieblingsspielsachen von Tom. Ein rosarotes Herz schimmert im Kerzenschein. Das Herz hat Toms zweieinhalbjährige Schwester Emma ihrem Bruder aufs Grab gelegt. Sie fragt täglich nach ihm und möchte „in den Himmel fliegen und Tom endlich wieder nach Hause holen“.

Um mit dem Erlebten fertig zu werden, haben sich Susanne und Uli Holz Unterstützung beim Verein „ Verwaiste Eltern e. V.“ in Hamburg gesucht. Dort www.verwaiste-eltern.de Tel. 040/35505643, helfen professionelle Trauerbegleiter Müttern und Vätern, die ein Kind verloren haben, sich ihrer Trauer zu öffnen, um wieder neue Kraft fürs Leben zu schöpfen.

„Als ich in Griechenland mein totes Kind in den Armen hielt, war ich wie gelähmt vor Schmerz. Ich schrie und tobte und konnte nicht glauben, dass mein Sohn gestorben ist“, erinnert sich Toms Mutter. „Ich konnte nur noch mit Beruhigungsmitteln schlafen, Uli schlief so gut wie gar nicht. Die Behördengänge und alles, was mit Toms Beerdigung zu tun hatte, erledigte er wie in Trance.“

Halt finden Susanne und Uli seitdem in den Gruppensitzungen der „ Verwaisten Eltern“, die alle 14 Tage stattfinden. „ Das Sprechen über das Erlebte tut unendlich gut. Im Freundeskreis ist dieser Austausch leider nicht möglich. In unserer Gesellschaft ist der Tod ein Tabu-Thema“, sagt Uli. Die Teilnehmer der Gruppe stützen sich gegenseitig: Sie schreiben Gedichte und lesen sie vor, sie tauschen Bücher über Trauerarbeit aus und schauen sich gemeinsam Fotos der Verstorbenen an. In jedem Winkel ihres Hauses haben die Eltern Bilder von Tom aufgestellt, selbst auf der Kaffeemaschine klebt eins. Auf einem Tisch steht ein Windlicht, das mit bunt bemalten Papier beklebt ist. „Dieses Licht brennt fast immer. Es ist ein wunderschönes Andenken an Tomi, weil er es gebastelt hat“, sagt Susanne. Mittlerweile findet sie auch die Kraft, sich um Haushalt und Familie zu kümmern. Vor kurzem hat Susanne sogar eine Spielgruppe bei sich zu Hause ins Leben gerufen. Und bald wird sie wieder Mutter. „Es ist viel Angst mit dabei, wie alles werden wird. Auf keinen Fall aber wird das Baby ein Ersatz für Tomi werden. Es ist unser drittes Kind“, sagt Susanne mit einem Strahlen in den Augen, die sie gen Himmel gerichtet hat.

Familie Holz buchte für sich eine Urlaubsreise in das Hotel Vergina Village ( Beach ) über den Reiseveranstalter Neckermann-Reisen auf der Halbinsel Chalkidiki in Neos Marmaras, die vom 14.08-28.08.2003 stattfinden sollte. Am 24.08.2003 ertrank ihr kleiner Sohn Tomi im Hotelpool. Laut www.reisebeschwerden.de ,hatte der Hotelpool keine Baugenehmigung und das Hotel keine Genehmigung bei der GR-Touristik-Behörde. Die Eltern wurden in Griechenland bei der Polizei verhört und nahmen dann den ersten Flug zurück nach Deutschland. Es gab keinen Rettungsschwimmer am Pool.