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  29.05.2017 Ferienhaus Ostsee

Tim

Tim
 
Kleiner Tim ertrinkt im kinderfreundlichen TUI – Hotel

14 Tage Türkei, 14 Tage Urlaub - nur Vater und Sohn - ein unzertrennliches Duo. Jeden Sommer eine Reise zu zweit. Frau P. brachte ihren Sohn zum Flughafen, gab ihm einen Abschiedskuss und wünschte den Beiden einen unvergesslichen Urlaub. Ihr Urlaubsziel war das kinderfreundliche Hotel Marmaris Resort Holiday Republic in Marmaris Hisarönü, gebucht über den Reiseveranstalter TUI.

Der letzte Urlaubstag war der 06.08.2006. Tim spielte, wie schon so oft, im ca.1m tiefen Wasserbecken der Rutsche. Immer spielten dort Kinder der Hotelanlage außerhalb der Rutschzeiten.

Ein Anziehungspunkt für die Kleinen zum Tauchen und Spielen, weil die Kinder anders als im Schwimmerbecken, Boden unter den Füßen hatten. Tim war ein guter Schwimmer, doch auch er besuchte das Wasserbecken gerne. Ertrinken kann er in diesem Schwimmbecken nicht, in dieser trügerischen Sicherheit befand sich auch Tims Vater. Der Achtjährige tauchte mit seinen Schwimmflossen, sein Vater hielt sich am Beckenrand des Pools auf und ordnete einige Utensilien. Immer wieder ein Kontrollblick ins Schwimmbecken zu seinem Sohn. Tim tauchte, in diesem Moment sprang die Ansaugpumpe der Wasserrutsche an. Keiner der Hotelangestellten überzeugte sich vor dem Anstellen der Pumpen, ob sich eine Person in dem Becken aufhielt und ob das Ansaugrohr gesichert war.

Tim geriet in Not. Sein linkes Bein wurde in das ungesicherte Ansaugrohr, durch das das Wasser nach oben auf die Rutschen gepumpt wird, fast vollständig bis zum Oberschenkel eingesogen und festgehalten. Tims Vater sprang ins Wasser, erkannte die Gefahr und versuchte mit all seiner Kraft seinen Sohn aus dem Sog der Pumpen zu befreien. Zwei Urlauber eilten ihm zu Hilfe, doch die Kraft der drei Männer reichte nicht aus. Erst als die Pumpen abgestellt wurden, konnten sie Tim befreien.

Von den anwesenden Hotelangestellten war keiner in der Lage Erste Hilfe zu leisten. Einen Rettungsschwimmer gab es nicht. Tims Vater und ein Urlauber versuchten Tim zu reanimieren. Nach ca. 5 Minuten traf der Hotelarzt und gegen 15:15 Uhr türkische Zeit ( ca. 20 Minuten später ) dann auch der Krankenwagen aus Marmaris ein. Im Krankenhaus konnte man aber nur noch den Tod von Tim feststellen. Tim wurde anschließend in die Gerichtsmedizin nach Izmir gebracht.

Gegen 14:40 Uhr ( deutscher Zeit ) klingelte das Telefon in Erftstadt. Tims Mutter hob den Hörer ab.

Tims Vater rief aus Marmaris an und überbrachte ihr die schreckliche Nachricht.

Tims Mutter buchte für sich und ihren Lebensgefährten einen Flug in die Türkei. Am 07.08.2006, 11:00 Uhr landeten sie am Flughafen Dalaman . Tims Vater holte sie vom Flughafen ab. Sie fuhren zur Polizeiwache nach Marmaris. Dort verwies man die Eltern an die Gendarmerie. Die Gendarmerie verwies die Eltern weiter an die Staatsanwaltschaft in Marmaris. Tims Vater machte eine Aussage zum Unfallhergang. Da es keinen deutschsprechenden Dolmetscher gab, erfolgte seine Aussage in Englisch mit Hilfe eines Polizeibeamten.

Für die Eltern, die seit Stunden unter Schock und am Rande des Zusammenbruchs standen, begann nun der Kampf gegen Lügen, Vertuschungen und Falschaussagen.

Sie gingen immer wieder im Unfallhotel auf die Urlauber zu und fanden dann auch die Hotelgäste, die in den späteren Verfahren bezeugen können, dass Tim mit seinem Bein im Ansaugrohr feststeckte. Die Zeugen wurden auch von der Gendarmerie vernommen und ihre Aussagen wurden protokolliert. Das Hotelmanagement war sehr darauf bedacht, die Eltern von Tim - von dem Hotel bzw. von den Hotelgästen - fernzuhalten. Erst nachdem die Eltern massiv gegenüber der Hotelleitung darauf bestanden hatten, die Unglücksstelle zu besichtigen, wurden sie in Begleitung eines Animateurs und eines Herrn der Hotelleitung, zum Pool gebracht. Der Pool war wieder mit Wasser befüllt.

Später im Büro des Hotels, stellte Tims Mutter die Hotelleitung zu Rede, warum kein Schutzgitter vor dem Ansaugrohr angebracht war. Das ein Schutzgitter fehlte, wurde von der Hotelleitung und den beiden Animateuren vehement abgestritten, sondern es wurde behauptet, dass Tim mit seinen Taucherflossen am unteren Rand der Rutsche hängen geblieben wäre. Außerdem wäre Tim ein sehr lebhaftes Kind gewesen und er trägt eine gewisse Mitschuld, weil er mit Taucherbrille und Taucherflossen in dem Pool badete. Sein Vater hätte die Aufsichtspflicht verletzt, argumentierte man weiter.

Die Eltern schalteten einen Anwalt aus Istanbul ein. Er traf sich mit Tims Eltern noch vor ihrer Heimreise nach Deutschland.

Am 10.08.2006 flogen die Eltern zusammen mit ihrem toten kleinen Sohn vom Flughafen Izmir nach Düsseldorf. Am Düsseldorfer Flughafen wurden sie von einem Seelsorger, einer Dame von der TUI, einen Herrn von der Flugsicherung und einem Polizeibeamten in Empfang genommen. Tim wurde sogleich zur Nachsektion in die Düsseldorfer Gerichtsmedizin gebracht.

Auch in Deutschland werden sie von einem erfahrenen Anwalt vertreten, der bereits die rechtliche Interessenwahrnehmung der Eltern und Geschwister von Tim, gegenüber dem Reiseveranstalter TUI, anzeigte.

Der kleine Tim wäre am 15.08.2006 - 9 Jahre alt geworden.

Evelyn Wagner

Wernshausen, den 10.09.2006

Eltern hoffen auf gerechtes Urteil

Unfallhotel wurde umbenannt !!!

Erschöpft kamen Tims Eltern am 22.05.2007 vom 4.Gerichtstermin aus Marmaris / Türkei nach Erftstadt zurück.

Die Eltern sind Nebenkläger im Strafverfahren gegen 4 türkische Angeklagte, die sich wegen Fahrlässiger Tötung an ihrem Sohn Tim vor dem Landgericht Marmaris zu verantworten haben. Das Strafverfahren begann bereits schon im Januar 2007. Nur drei der vier Angeklagten erschienen zum Prozessbeginn am 24.01.2007. Der mitangeklagte angebliche „Rettungsschwimmer“ blieb dem Gericht fern. In einem weiteren Gerichtstermin am 26. März 2007 beantragte der türkische Rechtsanwalt der Eltern, mehrere deutsche Zeugen, sowie zwei Zeugen aus Österreich und eine türkische Zeugin, wohnhaft in Deutschland, zu hören. Der Richter folgte diesen Antrag und setzte den Anhörungstermin auf den 21.05.2007. Alle Zeugen, verbrachten ihren Urlaub im Hotel Marmaris Resort Holiday Republic in Marmaris, in dem Tim sein Leben verlor. Heute findet man dieses Hotel im TUI- Katalog unter dem Namen Hotel Marmaris Resort Dolphin Park.
Um 14:30 Uhr begann am 21.05. die Verhandlung. Die Eltern von Tim wurden von dem Richter gebeten, den Gerichtssaal zu betreten. Die Stühle der Angeklagten und deren Verteidiger, blieben an diesem Tag leer. Tims Vater, der seine Aussage schon am 13.April 2007 während einer Begutachtung der Rutschenanlage durch einen unabhängigen türkischen Gutachter, dem ermittelten Staatsanwalt und Richter ( der Termin war vom türkischen angeklagten Hotelbetreiber beantragt worden ) im Unfallhotel machte, bat das Gericht, seiner Aussage noch etwas hinzuzufügen zu dürfen. Das Gericht nahm die Aussage des Vaters auf und wandte sich dann an Tims Mutter. „Möchten sie dem Gericht etwas mitteilen“, fragte der Richter mit Hilfe einer Dolmetscherin. „Ja“
Sie beschrieb ihren kleinen Sohn. „Tim war ein lebensfrohes, lebhaftes und folgsames Kind. Tim reiste jedes Jahr mit seinen Vater in den Urlaub. Ich versichere ihnen, dass Tims Vater ein liebevoller und verantwortungsvoller Vater war, der sein Kind nie einer Gefahr aussetzen würde. Die Wochenenden verbrachte Tim immer mit seinen Vater. Ich hatte zu keiner Zeit irgendeinen Zweifel, dass Tim von seinem Vater nicht umsorgt oder behütet wurde."
Alle Zeugen wurden vom Gericht gehört. Zwei Zeugen schilderten dem Gericht, wie sie versucht haben Tim aus dem Ansaugrohr zu befreien. „Tim linkes Bein steckte bis zum Oberschenkel in dem Rohr fest. Erst als die Pumpen abgestellt waren, bekamen wir Tim aus dem Sog. Wir waren zu dritt, doch unsere Kraft reichte nicht aus, dass Kind zu befreien. Es gab keinen Rettungsschwimmer in der Hotelanlage. Außerhalb der Rutschzeiten spielten immer und viele Kinder im Auslaufbecken der Rutsche, dies wurde vom Hotelpersonal auch nicht verboten."

Die Beweise gegen die Angeklagten sind erdrückend. Es waren für die Eltern von Tim zwei schwere und schmerzhafte Stunden im Landgericht Marmaris, da die Rettungs- sowie Wiederbelebungsmaßnahmen detailliert dem Gericht, von den Zeugen geschildert werden mussten. Auch allen Zeugen war eine enorme Anspannung anzusehen. Auch ihre Kinder spielten in diesem Auslaufbecken der Rutsche. Auch ihre Kinder waren immer der tödlichen Gefahr ausgesetzt.

Obwohl sich ca.14 Tage vor Tims Unfall, ein türkischer Junge im Auslaufbecken der Rutsche am Arm verletzte, so die Aussage einer Zeugin vor Gericht, hat man die Abdeckungen der Ansaugrohre nicht gesichert. Weiterhin berichtete sie, dass sie beim Tauchen im Unfallbecken sehen konnte, dass eine Abdeckung am Boden des Pools lag und somit ein Ansaugrohr offen war.

Am 12.09.2007 werden die Eltern von Tim erneut in die Türkei fliegen, um an der nächsten Verhandlung beim Landgericht Marmaris, indem der Richter den bisher unauffindbaren angeklagten „Rettungsschwimmer“ vernehmen möchte, teilzunehmen.

Wernshausen, den 25.05.2007
Evelyn Wagner

Urteil

Nach 3 Jahren endlich ein Urteil. Zwei Angeklagte wurden wegen fahrlässiger Tötung vom Landgericht Marmaris schuldig gesprochen. Der Hotelmanager bekam drei Jahre Haft. Den technischen Leiter der Hotelanlage verurteilte das Landgericht zu vier Jahren Haft. Das Gericht milderte jedoch die Strafen und wandelte die Haftstrafen zu Geldstrafen um- insgesamt 36.000 Euro. Der „Rettungsschwimmer“ und ein weiterer Angeklagter wurden von der Anschuldigung der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Tims Vater sagt- in einem Interview zu Stern TV: „Eigentlich ein angemessenes Strafmaß. Aber, dass die Beklagten sich mit insgesamt 36.000 Euro von der Haftstrafe "freikaufen" können, mache alles wieder zunichte." Nach 16 Verhandlungstagen über einen Zeitraum von 3 Jahren, können die Eltern von Tim immer noch nicht zur Ruhe kommen, weil die Angeklagten fristgerecht Berufung einlegten. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

Ca. 1 Jahr nach Tims Unfall stimmte der Reiseveranstalter TUI einem außergerichtlichen Vergleich zu. Die Eltern von Tim bekamen ein angemessenes Schmerzensgeld und sämtliche Schadensersatzansprüche.

Wernshausen, den 05.07. 2009
Evelyn Wagner