Philippstraeume.de

Urlaubs-Wetter

   
Frankfurt °C
London °C
New York °C
Dubai °C
Tokyo °C
Türkei °C
Hurghada °C
  24.09.2017 Ferienhaus Ostsee

Stephan

Der Leidensweg von „ Familie “ Unkert ?
Alles schien gut zu sein - Ein TrugschlußEin Fragezeichen hinter Unkert, ja das muss sein, denn unsere kleine Familie gibt es nicht mehr. Unser Glück wurde im Sommer 2000, von einer Minute zur anderen zerstört. Wir hatten unseren Urlaub auf Djerba beim Reiseveranstalter I T S gebucht. Unser sechsjähriger Sohn Stephan sollte im September 2000 eingeschult werden. Wir schenkten ihm eine Vorschulreise. Große Augen machte unser Sohn, als wir mit ihm im I T S – Reisekatalog blätterten.
„Oh, ein Super Spielplatz“, sagte unser Schatz. Außerdem eine Kinderbetreuung. Alles schien perfekt. Der Slogan „ Mit I T S auf Nummer sicher“, lies uns nicht zögern, vertrauensvoll diese Reise zu buchen.

Stephan verlor sein Leben, bei einem Badeausflug mit der I T S –Kinderbetreuung. Ein Urlauber fand ihn im Schwimmerbecken - leblos. Stephan ertrank, weil die
I T S- Kinderbetreuerinnen aufs Gröbste ihre Aufsichtspflicht verletzten.

RÜCKBLICK

Mein Mann und ich lernten uns 1984 kennen. Na ja, man kann sagen, es war Liebe auf dem ersten Blick. Wir haben uns heute noch sehr lieb und ich bin froh das ich ihn habe, denn eine Flut von Schicksalsschlägen holte uns ein. 1985 schlug das Schicksal das erste Mal zu. Unser Sohn Christian kam schwerstbehindert zur Welt. Die Ärzte schlugen uns vor Christian in einem Pflegeheim unterzubringen. Nein, das wollten wir absolut nicht, unseren kleinen unschuldigen Jungen weggeben, kam nicht in Frage. Heute ist Christian 18 Jahre alt und lebt in einem Behindertenheim mit gleichaltrigen Mädchen und Jungen zusammen. Dort bekommt er seine Pflege, die wir ihm zu Hause rund um die Uhr nicht mehr 100 %- ig geben können. Wir besuchen ihn regelmäßig und haben ihn sehr lieb. Im Mai 1988 wurde ich wieder schwanger. Diesmal wurde ich während der Schwangerschaft gründlicher untersucht. Unser Kind wird gesund zur Welt kommen, versicherte uns der behandelnde Arzt. Im Februar 1989 kam unser Matthias zur Welt. Das war eine große Freude, doch nur für kurze Zeit. 9 Wochen nach der Entbindung, war ich das erste Mal zur Mütterberatung. Alles war bestens, bis die Ärztin Matthias auf den Rücken drehte. Matthias lief blau an. In diesem Moment bekam ich Angst, furchtbare Angst.
Unser kleiner Schatz musste sofort ins Krankenhaus. Dort stellte man mehrere Löcher in seinem kleinen Herzen fest und die Herzvorwand fehlte ganz. Matthias bekam in der Charite’ eine Behelfs- OP, die aber nur 2 Jahre hält. Am 29.01.1992 um 17:30 Uhr schien für uns die Zeit still zu stehen. Matthias überlebte die Korrektur – OP nicht. Er starb im Alter von 3 Jahren. Es gibt nichts schlimmeres auf dieser Welt, als ein Kind zu verlieren. Die Trauer tut weh und hält ein Leben an.

Irgendwann reifte in uns der Wunsch ein Kind zu adoptieren. Ein langer bürokratischer Weg. Wir gingen diesen Weg. Im Jahre 1993, 2 Wochen vor Weihnachten holten wir unseren kleinen eine Woche alten Stephan, nach Hause. Nun wird alles gut. Auch wir haben etwas Glück in diesem Leben verdient.
Jahre gingen ins Land. Jeden Sommer fuhren wir für eine Woche nach Österreich.

Was bleibt ist die Erinnerung !!!Im Sommer 2000, sollte es eine ganz besondere Reise werden. Stephan wollte das große, weite Meer sehen und auf Kamelen reiten. Djerba, das wird ein toller Urlaub. Es wurde die letzte Reise für Stephan.

Stephan schwärmte:“ O, Mama und Papa hier ist es schön und alles für mich ! „
Der vorletzte Tag brach an. Tagesausflug mit der I T S – Kinderbetreuung. Wenn ich heute noch einmal die Wahl hätte, ich würde der I T S – Kinderbetreuung nie wieder vertrauen und mein Kind in ihre Obhut geben. Um 10,00 Uhr brachte ich Stephan zum Sammelpunkt. Um 10,30 Uhr sah ich unseren kleinen Jungen das letzte Mal lebend. Zwischen 12,00 Uhr und 12,30 Uhr muss Stephan ertrunken sein. Keiner weiß wie Stephan vom Nichtschwimmer ins Schwimmerbecken gelangte. Die Betreuerinnen gaben Stephan keine Schwimmflügel, angeblich gab es nicht genug, so das nicht alle Kinder entsprechend gesichert waren. Die Betreuerinnen gaben uns keine Auskunft und der Reiseveranstalter I T S schirmte die 2 Betreuerinnen von uns ab. I T S versprach uns unbürokratische Hilfe, doch die bekamen wir nicht. Man ließ uns auch nicht zu unserem Kind. Man setzte uns am nächsten Tag in den Flieger und ohne unser Kind flogen wir zurück nach Deutschland. Alle Urlauber um uns herum waren glücklich und mein Mann und ich ertranken im Schmerz.
Immer wieder fragen wir uns, was müssen wir noch ertragen. Nein, das ist nicht alles, noch viel mehr muss man ertragen.

Dieses Foto ist das leere Urlaubsbett unseres SohnesZu Hause angekommen riefen wir in der Klinik an. Wir brauchen dringend Hilfe. Am anderen Ende der Telefonleitung nahm man uns nicht ernst, man glaubte ich mache einen schlechten Scherz. Ich fing bitterlich an zu weinen und man schickte uns dann einen Notarzt. Eine Woche später kam unser Stephan in einem Zinksarg nach Deutschland. Zwei Stunden stand unser Junge auf der Rollbahn, wie vergessenes Gepäck. Unser Seelsorger war so wütend darüber und wollte Stephan selber am Flughafen abholen.
Vor der Trauerhalle brach ich zusammen, ich weiß nicht wie ich hinein kam. Ja, da lag für immer schlafend unser kleiner Stephan.

I T S zahlte keine Bestattungskosten und von unbürokratischer Hilfe spürten wir nichts.

Wir nahmen uns einen Rechtsanwalt. Das strafrechtliche Verfahren gegen die I T S – Betreuerinnen wurde sehr schnell eingestellt. Am 28.08.2003 fand das Zivilverfahren in Köln statt.

ENDLICH GAB ES EIN URTEIL GEGEN I T S.
Doch es soll kein Ende nehmen. I T S geht in Berufung. Der Gerichtstermin beim Oberlandesgericht in Köln, ist Mitte Februar.

Manchmal denke ich, ich habe keine Tränen mehr, in mir ist es so trocken wie in einer Wüste. Doch wir werden durchhalten und weiter kämpfen, das ist das letzte was wir für unseren kleinen Schatz tun können. Und wir werden unser Versprechen halten, was wir unserem Stephan an seinem Grab gaben.

Es fiel mir sehr schwer diese Zeilen zu schreiben, es zerreist mir das Herz vor Schmerzen, doch es ist für mich sehr wichtig, dass Sie werte Besucher dieser Internetseite wissen, was ein in der eigentlich schönsten Zeit des Jahres furchtbares passieren kann, damit Sie sich vor solchen Schlampereien rechtzeitig schützen können.

Oberlandesgericht Köln am 16.02.2004. Der Reiseveranstalter I T S zog die Berufung zurück.
Das Urteil vom 28.08.2003 beim Landesgericht Köln, wurde somit rechtskräftig.
Uns, den Eltern wurde ein bescheidenes Schmerzensgeld in Höhe von je 20.000 EUR zugebilligt.

Diane Unkert


Der Schmerz lässt nicht nach, Trauer - ein lebenslanger Prozess

Nach sieben Jahren, auf den Tag genau, kehrt die Mutter von Stephan zurück zum Unfallort ihres Sohnes, in das 4 Sterne Hotel Miramar Djerba Palace / Tunesien.
Trauer kann weder vergessen noch über längere Zeit „geheilt“ werden. Trauer braucht Mittel und Wege zur Verarbeitung. Frau Unkert hatte schon seit längerer Zeit – das Verlangen - an den Unfallort ihres Kindes zurückzukehren.
Der Verein „Hilfe bei Reiseunfällen“ e. V. begleitete Stephans Mutter zum Rutschenpool, in dem das Kind am 11.06.2000, gegen 12:15 Uhr ertrank.
Mit Tränen in den Augen, einer Blume in der Hand, ängstlich und mit langsamen Schritten, betrat Stephans Mutter die Poolanlage.
Zum ersten Mal, stand sie vor dem Wasserbecken, in dem ihr Kind vor genau 7 Jahren - ertrank.
Frau Unkert erinnert sich:
„Die I T S- Kinder- Betreuerin die Stephan und andere Kinder an diesem Tag in ihrer Obhut hatte, rief mich an und sagte mir, dass Stephan einen Unfall hatte. Ich dachte, dass Stephan hingefallen und nur leicht verletzt war. Mit einem Taxi fuhr ich in das Hotel Djerba Palace. Als ich im Unfallhotel ankam, fing man mich vor dem Aquapark mit der Wasserrutsche ab. Keiner der Anwesenden sagte ein Wort zu mir. Ihre Blicke deuteten in Richtung des Leichenwagens, der in der Einfahrt des Hotels stand. Vor dem Leichenwagen auf eine Trage lag ein kleiner Körper - zugedeckt. Einen Arzt oder einen Krankenwagen habe ich vor Ort nicht gesehen.“
Der kleine Stephan war tot. Der Vater wurde von der Mutter verständigt. Die Eltern fuhr man anschließend in eine Poliklinik. Dort bekamen beide Beruhigungsmittel. Auch eine Aussage bei der ansässigen Polizei, machten Stephans Eltern. Am nächsten Tag, setzte man Mutter und Vater in den Flieger nach Deutschland. Stephan kam in die zuständige Gerichtsmedizin.
Schwimmbecken immer noch gefährlich!
Die Aquaparkanlage mit den Wasserrutschen ist klein und übersichtlich. Am Beckenrand stehen Liegen für die Urlauber. Von den Liegen aus, kann man die gesamte Anlage gut überblicken. Ca. 2 m neben den Rutschen steht ein großes Hinweisschild. Darauf steht in 6 Sprachen, darunter auch in deutsch, dass das Wasserbecken nicht immer von Sicherheitspersonal überwacht wird. Einen Rettungsschwimmer gab es am 11.06. 2007 nicht. Die Rutsche besteht aus 2 Rutschbahnen, die in ein kleines 0,67 m tiefes Auslaufbecken führen. An das Auslaufbecken der Rutsche fügt sich ein größeres Wasserbecken an, was nur durch ein Seil mit Kugeln, was auf der Wasseroberfläche schwimmt - vom Auslaufbecken - getrennt ist.
Wir rutschen - und schwimmen nach dem Eintauchen in das Auslaufbecken der Rutsche mit nur 2 Schwimmzügen zu dem Absperrseil. Direkt hinter dem Absperrseil versuchen wir uns im Becken zu stellen, ohne Erfolg, wir haben keinen Grund. Dass Wasserbecken hat nun eine Tiefe von 1,67m. Dieser abrupte Übergang vom „Planschbecken“ in den Schwimmerbereich, wurde dem kleinen Stephan zum Verhängnis. Es gibt an diesem gefährlichen Übergang bis heute, nicht einmal eine Warnung, wie z.B. ein Stopp- Schild.
Stephans Mutter ist schockiert, dass nach 7 Jahren immer noch keine baulichen Veränderungen vorgenommen wurden. Bauliche Veränderungen, die den Zugang vom Nichtschwimmer zum Schwimmer verhindern. Das Absperrseil lädt die Kinder zum Tauchen ein. Frau Unkert vermutet, dass Stephan von dem niedrigen Auslaufbecken der Rutsche aus, unter dem Seil hinwegtauchte. Stephan war Nichtschwimmer und bekam von der I T S- Betreuerin keine Schwimmflügel.
Das Kind konnte nicht wissen, das es in ein viel zu tiefes Becken tauchte.
Für Frau Unkert war die Reise zurück in die traurige Vergangenheit ein wichtiger Schritt der Verarbeitung.
„Jetzt nachdem ich am Unfallpool stand, kann ich nachvollziehen warum mein Kind ertrank, wegen der Unachtsamkeit der I T S- Betreuerin und der unsicheren Absperrung zwischen dem niedrigen Auslaufbecken der Rutsche und dem Schwimmerbereich.“
Der Verein "Hilfe bei Reiseunfällen" e. V., schrieb allen Reiseveranstaltern eine Gefahrenmeldung, die das Hotel Djerba Palace - im Sommer 2007 - unter Vertrag haben.

Wernshausen, den 22.06.2007
Evelyn Wagner