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  26.07.2017 Ferienhaus Ostsee

Philipp

Philipp - Träume, die zerstört wurden
Wir waren bis zum Sommer 2001 eine glückliche und zufriedene Familie.

Hotel Aristoteles ! Bitte merken, wenn Sie ihre Kinder nicht verlieren wollen.Mein Mann und ich hatten schon einige Schicksalsschläge zu bewältigen, doch die Geburt unseres ersten Sohnes 1989 und die Geburt unserer Zwillinge 1990 brachte wieder Sonne in unsere Herzen. 1993 zogen wir mit unseren 3 Jungs in unser halbfertiges Eigenheim. Nach und nach wurde ein Zimmer nach dem Anderen renoviert und unsere Kinder konnten ihre Zimmer beziehen. Heute - ist Eins leer. Alles steht so, wie es Philipp vor unserem Griechenlandurlaub verlassen hat. Auf dem Schreibtisch liegen Bücher, die er noch lesen wollte; Bilder, die nun nicht mehr ausgemalt werden; Kreuzworträtsel, die er nicht mehr lösen wird. Unter dem Schreibtisch stehen sein Bücherranzen und seine Fußballschuhe.

Unsere Kinder wollten fliegen und auch am Anfang des neuen Schuljahres von einem tollen Urlaub in der Schule erzählen. Auch wir wollten unseren Jungs nach 11 Jahren endlich einen Urlaub bieten. Und so buchten wir im Januar 2001 über den Reiseveranstalter I T S unsere erste 14-tägige Reise ins griechische Ouranoupolis auf der Kloster - Halbinsel Athos ins Hotel Aristoteles.

Die drei Brüder - ein paar Stunden vor dem Unfall (Philipp links)In der Nacht vom 26.07. zum 27.07. kamen wir an. Vor unserer Ferienwohnung die Hotelattraktion: eine Riesenrutsche. Unsere Jungs waren begeistert. Heute höre ich sie noch sagen,“ Oh, da dürfen wir doch auch mal rutschen ! „  Wir erfuhren von der Reiseleiterin der I T S, dass man sich die Armbändchen in der Hotelrezeption oder direkt an der Rutsche kaufen kann. Wir erfuhren aber nicht, dass die Rutsche ohne Baugenehmigung und ohne Abnahme errichtet wurde. Außerdem erfuhren wir nicht, von den bereits geschehenen Unfällen durch die Rutsche. Am Mittwoch den 01.08.2001 planten wir nun den versprochenen Rutschtag. Das Tagesticket kam umgerechnet 9 DM pro Person. 14:30 Uhr, Philipp und seine Brüder liefen nach einer zweistündigen Rutschpause wieder zur Rutsche, um noch einmal richtig Spaß zu haben. Heute noch sehe ich die letzten bewegenden Bilder von unserem Philipp, wie er zufrieden und glücklich in Richtung Rutsche marschierte. die Rutsche des BetreibersNach ca. 10 Minuten verspürte ich eine innere Unruhe. Ich nahm meinen Fotoapparat und sagte zu mir. „ Was ist los mit dir ? Wir sind doch im Urlaub und alles ist bestens. Wir sind alle gesund und haben es doch gut. „ Trotz meiner Unruhe schoss ich noch 2 Fotos von der Hotelanlage und lief dann meinen Jungs nach. Philipps Zwillingsbruder kam schreiend auf mich zu. Er schrie: „der Philipp, der Philipp ! “ Erschöpft brach er vor mir zusammen. In mir brach ein Vulkan aus, ich bekam kaum Luft.
Meine Zwillinge in Not: „ Wo laufe ich zuerst hin. „ Eine aufmerksame Urlauberin kümmerte sich sofort um meinen erschöpften Eric und ich rannte ohne Schuhe den Schotterweg zum Auslaufbecken der Wasserrutsche . Philipp lag bewusstlos am Beckenrand. Bevor ich zu ihm konnte, riss ich mich von einer Urlauberin los, die mich an beiden Armen so fest hielt, dass ich sie anschreien musste: “Lassen sie mich sofort los, ich will zu meinen Kind ! „  Die Rettungsschwimmerin hockte in Wadenhöhe von Philipp und hielt sich beide Hände vor ihr Gesicht. Ich kniete mich zu meinen Kind nieder und vertraute Worte gingen mir durch den Kopf, die mir mein Mann vor Jahren ans Herz legte. „ Du kannst niemals in der Not unseren Kindern helfen, wenn du die Nerven verlierst ! „ Also riss ich mich zusammen und zwang mich richtig zu reagieren. Philipp atmete nicht, kein Puls und sein rechter Arm von der Schulter bis zur Hand dunkelblau. Ein runder Abdruck zog sich über die Schulter, wie eine Abschnürung. Eine Erklärung für diese schwere Verletzung hatte ich in diesem Moment nicht.
Ich beatmete ihn, in dem Moment kniete sich mein Mann zu uns nieder. Mit Hilfe eines deutschen Urlaubers versuchte mein Mann 40 Minuten lang unser Kind zurück ins Leben zu holen. Endlich, endlich ein Arzt, jetzt wird alles wieder gut. Weitere 15 Min. vergingen, endlich ein Krankenwagen . Meine Gedanken: „ Jetzt wirst du wieder gesund. „ In das „Gesundheitszentrum“ rasten wir mit Martinshorn, eine Stunde. Im Krankenwagen nichts, keine medizinischen Geräte, einfach nichts, wie ausgebrannt. Mein kleiner Sohn ist tot. Ich habe es schon an der Rutsche gefühlt, dass wir ihn verloren haben. Doch ich will nicht das er geht, bleib doch bei uns mein kleiner Engel. Wir wollen doch noch´Urlaub machen.

die Pumpen, die unseren Sohn ansaugten - er hatte keine ChanceSpäter am Abend, als ich aus dem „ Gesundheitszentrum „ zurück kam, erfuhr ich die schreckliche Wahrheit von unseren beiden Söhnen, die versuchten ihren Bruder aus dem Ansaugrohr zu befreien. Die Kraft unserer beider Jungen reichte nicht aus, Philipp aus dem Sog zu befreien. Philipps großer Bruder wurde beim Rettungsversuch selber von einem ungesicherten Nebenrohr verletzt. Von Urlaubern herbeigerufenes Personal, rissen Philipp, ohne vorher die Pumpen abzustellen, mit aller Kraft zu dritt, aus der tödlichen Falle.

Philipp wurde zur Gerichtsmedizin nach Thessaloniki gefahren. Der Gerichtsmediziner schreibt später in seinen Obduktionsbericht, keine äußere Verletzungen, Tot durch Ertrinken. Der 01.08. endete für meine Fam. und mich bei der Polizei in Ouranoupolis beim vierstündigen Verhör. Weg hier, ich ersticke. Die griechische Luft kann ich nicht mehr einatmen. Aber ich muss atmen, ich muss meine Kinder zurück nach Deutschland bringen. Am nächsten Morgen saßen wir in einem Taxi, was uns zum Flughafen nach Thessaloniki fuhr. Griechische Musik: „ Nein mach sie endlich aus, „ hätte ich am liebsten zu dem Taxifahrer gesagt. Doch ich blieb stumm. Auf dem Weg zum Flieger versagten mir immer wieder meine Beine. Mein ganzer Körper schmerzte. Nein, ich war nicht tot. Wenn man Tod ist spürt man keinen Schmerz. Ich bin eine lebende Tote. Jemand muss uns mit einer Fernsteuerung bewegt haben, denn wir sind am Abend des 02.08.2001 zu Hause angekommen.
Nein, nicht ausruhen. Wir müssen Anzeige erstatten wegen fahrlässiger Tötung.

Tonis Verletzung - beim Versuch seinen Bruder zu rettenPhilipp kam nach Hause. Er wurde am 04.08. in einem Zinksarg von Thessaloniki nach Deutschland überführt. In dem deutschen Obduktionsbericht stehen detailliert seine schweren Verletzungen am rechten Arm. Die deutsche Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen unbekannt ein.

Wir fordern Gerechtigkeit, wir haben es unserem Philipp an seinem Totenbett versprochen und dieses Versprechen werden wir halten.
Mit Gegendruck arbeite ich gegen meinen seelischen und körperlichen Schmerz. Ich ziehe mir einen dicken Schutzmantel an und beginne zu kämpfen.

Bisher waren wir schon 3x in Griechenland. Ich bin mir sicher, wenn wir nicht zusammen mit unseren Anwälten gekämpft hätten, wäre Philipps Akte in Griechenland schon in den Archiven verschwunden.

Doch die griechische Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Hotelbetreiber, Rutschenbetreiber und die Rettungsschwimmerin werden vor Gericht stehen. Wir mobilisierten Zeugen und flogen im September 2003 mit weiteren 10 Personen und auf eigene Kosten, zum Strafprozess nach Griechenland. Von 43 angesetzten Gerichtsverhandlungen an diesem Donnerstag, hatten wir die Nummer 40. Es kam zu keiner Verhandlung, die Richterin vertagte auf den folgenden Montag. Beim Aufeinandertreffen mit den Angeklagten schaute ich ihnen immer wieder in die Augen. Suchte auch in ihnen einen Funken Trauer oder zu mindestens etwas Anteilnahme. Doch nichts von alledem, eine Eiskälte strahlten sie aus. Teilweise machten sie sich sogar über uns lustig, auf eine üble Art und Weise. „ Was wollt ihr hier. Vor Gericht habt ihr keine Chance . Wir werden euch vor Gericht zertreten , wie harmlose Insekten. „ Ihr selbstsicheres Auftreten macht mir Angst, doch wir werden wiederkommen.
Die Vertagung bedeutete für uns, unsere Heimflüge umzubuchen. Innerhalb von 5 Minuten wurde an diesem besagten Montag, das Verfahren auf Juni 2004 vertagt. Unsere Ausgaben belaufen sich momentan auf 30 000 Euro. Es gibt in Deutschland keine Hilfsorganisation, die wie in unserem Fall, Familien finanziell unterstützt.

Fotos von der Verletzung, des Kindes welches ein paar Tage vor Philipps Tod angesaugt worden ist.Die Staatsanwaltschaft in Deutschland hat die Ermittlungen gegen den Geschäftsführer des Reiseveranstalters
I T S im Januar 2003 eingestellt. Heute wissen wir, dass unser Sohn, nicht das erste Opfer an dieser Rutsche war. Aus diesem Grunde, ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum die Staatsanwaltschaft nicht tiefgehender ermittelt hat. Aus der Ermittlungsakte geht hervor, dass sich auch Erwachsene beim Eintauchen in das zu niedrige Auffangbecken der Rutsche schwer verletzt haben. Außerdem ist während des Rutschens, ein Kind aus der Rutschbahn geworfen worden. Ein zehnjähriger Junge wurde 4 Tage vor Philipps Unfall mit seinem Knie angesaugt. Er konnte seinen Oberkörper über Wasser halten und somit nach Hilfe rufen.

Die Eltern alarmierten die Betreiber, doch man schloss die Rutsche nicht und nahm die Verletzungen und sogar den Tod weiterer Urlauber in Kauf.  Die Rutsche ist wieder in Betrieb, so als wäre nie etwas passiert. Schutzgitter hat man nach dem Tod unseres Sohnes angebracht.

Die Angeklagten in Griechenland versuchen die eigentliche Todesursache zu vertuschen und der Reiseveranstalter I T S ist der Meinung, dass nur uns die Schuld trifft. Wir, die Eltern haben die Aufsichtspflicht verletzt. Es ist traurig, in unserer Gesellschaft zählt nur Profit. Materielles und Konsum haben Vorrang vor der Menschlichkeit, dies lässt uns der Reiseveranstalter heute noch spüren.

Wir zerstören die schöne Welt der Reisewerbung, wenn wir in der Öffentlichkeit Missstände ansprechen. Wir hatten und haben es nicht vor irgendjemand zu zerstören.

Man hat unserer Familie die Lebensfreude genommen. Wir müssen den Verlust und die plötzliche Trennung von unserem kleinen Sohn täglich aufs Neue ertragen. Meine beiden Söhne, die den Tod ihres Bruders hautnah miterlebten, haben ihre Kindheit verloren und keine Zukunftspläne.
Wir leben seit dem 01.08.2001 in einer dunklen Trauerhöhle. Wir wissen, dass kein Gericht unseren Sohn wieder nach Hause kommen lässt. Aber wir wissen auch, ohne gerechtes Urteil werden wir nie den Tod unseres Kindes verarbeiten können.

Jede Stunde trauert irgendwo auf unserer Erde eine Mutter um ihr Kind. Oft sind wir gegen Krankheit ohnmächtig. Auch Umweltkatastrophen können wir kaum entgegentreten. Doch der Fahrlässigkeit der Reiseveranstalter können wir den Kampf ansagen. Und genau das werden wir tun.
Wir werden weiter kämpfen und funktionieren, damit dieses unerträgliche Leid anderen Familien erspart bleibt.  Wenn Sie das Verlangen haben, sich uns anzuschließen und gegen die Schlampereien der Reiseveranstalter mitkämpfen möchten, die immer wieder ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachkommen, dann schreiben sie uns.

Freies Wort 17.02.2005
 

SCHADENERSATZKLAGE

Wagners hoffen auf ein gerechtes Urteil
Familie aus Wernshausen fordert mehr Verantwortung der Reiseveranstalter
 /Entscheidung im März

Völlig geschafft, aber optimistisch, kam Evelyn Wagner am Dienstag von Köln nach Wernshausen zurück. In der von ihr angestrengten Schadenersatzklage gegen den Reiseveranstalter ITS, dessen Sorglosigkeit sie den Tod ihres elfjährigen Jungen anlastet, wird es am 17. März ein schriftliches Urteil geben. Einen Vergleich lehnte sie ab.
WERNSHAUSEN -  "Ich habe auch zwei Kinder und kann nachfühlen, wie weh Ihnen das tut", wandte sich der Richter am Kölner Landgericht zur Eröffnung der Verhandlung an Evelyn Wagner. Ihr versagte gestern noch die Stimme, als sie das wiedergab. Die Worte des Mitgefühls trafen die Mutter ins Herz und gaben ihr gleichzeitig Hoffnung, dass ihr Anliegen hier in guten Händen ist. "Der versteht mich, der weiß, dass ich nicht wegen des Geldes hier bin", habe sie gleich gewusst. Ihr elfjähriger Sohn Philipp war im August 2001 im Griechenlandurlaub in einem Swimmingpool ertrunken - weil an den Ansaugrohren zur Bewässerung der Rutsche einfache Absperrgitter fehlten. Der Junge geriet mit dem Arm in die tödliche Falle, konnte sich nicht befreien, auch nicht mit Hilfe seiner beiden Brüder, und ertrank (Freies Wort berichtete.) Die Schuldigen in Griechenland - Hotel- und Rutschenbetreiber sowie die Rettungsschwimmerin - sind inzwischen in
erster Instanz zu Gefängnisstrafen verurteilt, haben aber Berufung eingelegt. Doch die Eltern wollen auch den Reiseveranstalter zur Verantwortung
gezogen wissen. Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden in Deutschland bereits eingestellt, weil dem Geschäftsführer des Reiseveranstalters nicht nachzuweisen war, dass er von der Unfallquelle wusste. ITS-Touristik steht ohnehin auf dem Standpunkt, das der besagte Swimmingpool mit Rutsche nicht im Katalogangebot angepriesen war und somit der Veranstalter auch keinerlei Verantwortung dafür tragen muss. So blieb nur die Schadenersatzklage.
"Nicht das Geld steht dabei für uns im Vordergrund, sondern ein Richterspruch, nachdem der Reiseveranstalter seine Sorgfaltspflicht verletzt hat", macht Evelyn Wagner deutlich. Gleichwohl stand natürlich auch am Dienstag am Landgericht in Köln zunächst der finanzielle Vergleich im Vordergrund. Während der Reiseveranstalter den Deal gerne angenommen hätte, lehnte die Mutter die 30 000 Euro jedoch ab. Frühere Versuche, sich außergerichtlich mit dem Reiseveranstalter zu einigen, waren ebenfalls gescheitert. Zwar hatte das Reiseunternehmen das Reisegeld zurückerstattet und auch einen gewissen Betrag Schmerzensgeld gezahlt, doch habe es dann die Verhandlungen abgebrochen, um nicht weiter in die Verantwortung gezogen zu werden, sagte Wagners Anwalt Hans-Werner Spieß. Das Ziel seiner Mandantin sei es damals gewesen, das Reiseunternehmen eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnen zu lassen, dass es alle Anlagen  in den im Katalog angebotenen Hotels sicherheitstechnisch überprüft. Doch soweit kam es nicht. Spieß selbst wertete den Gerichtstermin in Köln, der auch sehr stark von überregionalen Medien beobachtet wurde, durchaus positiv. Das Gericht habe erkannt, dass ein Urteil hier - unabhängig vom konkreten Fall - weitreichende Bedeutung für das Reiserecht habe. Der kleine Philipp sei ja kein Einzelfall. Und Verbraucherschützer könnten von sich aus wenig unternehmen. Leider müsse immer erst etwas passieren, ehe von Sorgfaltspflichtverletzung gesprochen werden könne. Geht das Urteil am 17. März im Sinne der Wagners und damit der Urlauber ganz allgemein aus, wird sicher der Reiseveranstalter beim Oberlandesgericht in Berufung gehen. Kämen doch damit höhere Aufwendungen und Kosten auf die Reiseindustrie zu. Im umgekehrten Fall - also würde das Urteil den Veranstalter von Verantwortung frei sprechen - werden die Wagners in die nächste Instanz gehen. "Das ist sicher, egal, was es kostet", so Evelyn Wagner. Rechtsanwalt Hans-Werner Spieß begleitet die Familie seit drei Jahren auf diesem schwierigen Weg durch die Gerichte. Er weiß, warum die Wagners einen Vergleich abgelehnt haben und auf ein unsicheres Urteil setzen, obwohl sie inzwischen schon mehr als 50 000 Euro im Kampf um Gerechtigkeit in Griechenland und Deutschland ausgeben mussten. "Die Familie würde nie mit dem Gedanken leben können, sich für das Leben ihres Kindes mit Geld abfinden zu lassen." Sie wolle ein höheres Verantwortungsbewusstsein bei Reiseveranstaltern erreichen. WALTRAUD NAGEL

[ hier finden Sie einen offenen Brief an Bundesjustizministerin Fr. Zypries und die dazugehörige Antwort ]
 

Endlich Gerechtigkeit

Es gab Tage, an denen ich dachte, dass es keine Gerechtigkeit mehr gibt - doch der Anruf unseres Anwalts am 17.03.2005 gegen 14:30 - war für uns sehr erlösend.
Erleichterung machte sich in uns breit als wir erfuhren, dass der Richter vom Kölner Landgericht - in vollem Unfang - unserer Klage gegen den Reiseveranstalter I T S, zugestimmt hat. Auch wenn momentan - dass für uns positive Urteil noch nicht rechtskräftig ist - ist es ein großer Schritt in die richtige Richtung. Das Urteil beinhaltet zwei wichtige Aspekte. Zum einen ist es für uns persönlich wichtig, dass der Tod unseres Sohnes ein wenig gesühnt wird, - und zum anderen wird das Urteil deutschlandweit Auswirkungen auf die Reisebranche haben.Nie wieder darf ein Kind so grausam aus dem Leben gerissen werden. Genau aus diesen Gründen haben wir den Vergleich über 30 000 EUR abgelehnt. Wir wollen erreichen, dass alle Reiseveranstalter ihren Urlauber in erster Linie - neben ihren anderen Verpflichtungen - Sicherheit bieten und ihre Sorgfaltspflicht in Zukunft nicht mehr verletzen. Diese Sorgfalt ist mit einem relativ geringen Aufwand zu realisieren. Bis heute kann ich nicht verstehen, warum I T S uns vor dieser gefährlichen Rutsche nicht gewarnt hat, obwohl im Vorfeld so viele Unfälle an dieser Spaßrutsche passierten. Es wäre so einfach gewesen, uns vor diesen Schwarzbau zu schützen.
Wir gehen allerdings davon aus, dass I T S nach Eingang der Urteilsbegründung, mit hoher Wahrscheinlichkeit Berufung beim Oberlandesgericht einlegen wird. Nach unseren bisherigen Erfahrungen werden die Anwälte des Rewe Touristik Konzerns, zu dem I T S gehört, die nächste Instanz - OLG Köln anrufen. So ist es bisher in ähnlich gelagerten Fällen abgelaufen. Dies wird weiterhin für uns eine große psychische Belastung sein, aber wir gehen gestärkt in die nächste juristische Auseinandersetzung und hoffen in einem halben Jahr ein rechtskräftiges Urteil zu haben.
Evelyn Wagner

Auch wenn Sie dringend Hilfe benötigen, melden sie sich, wir werden für Sie da sein.

Familie Wagner

Berufung des Reiseunternehmens wurde abgelehnt

Erleichterung und Freude bei Familie Wagner





KÖLN/WERNSHAUSEN – Die Anspannung ist weg und der Blick richtet sich wieder nach vorne. „Wir haben uns umarmt, allen standen die Tränen in den Augen“, sagt Evelyn Wagner aus Wernshausen. Ihr 11-jähriger Sohn Philipp Wagner ertrank im August 2001, weil er in das Ansaugrohr einer Wasserrutschanlage geraten war. Das Landgericht Köln hatte den Reiseveranstalter im Zivilrechtsverfahren auf 70 000 Euro Schadensersatz verklagt.

ITS ging in Revision, verlor den Rechtsstreit allerdings am Montag vor dem Oberlandesgericht.

„Nach dem dritten Satz wusste ich, das der Richter die Berufung ablehnt“, sagte Evelyn Wagner gestern gegenüber unserer Zeitung.
 Die Revision des Tourismus-Unternehmens wurde zurückgewiesen, weil der Reiseveranstalter verpflichtet gewesen wäre, die Wasserrutschanlage des Hotels nach Inbetriebnahme auf eventuelle Sicherheitsmängel zu überprüfen.

„Dies gilt auch bei Einrichtungen, die nur gegen besondere Vergütung zu benutzen und die – was für eine Wasserrutsche unstrittig ist – im Reisekatalog nicht erwähnt seien“, heißt es im Urteil des Oberlandesgerichtes Köln. Die Rutschanlage, in der Philipp Wagner ertrank, sei räumlich so in die betreffende Hotelanlage eingegliedert, das sie aus Sicht des Urlaubers als Teil des Sport- und Freizeitangebots angesehen werden könnte.

Pflichtverletzung

Die Pflichtverletzung des Reiseunternehmens sei Ursache für den Tod Philipps gewesen. Der Junge sei ertrunken, weil er sich weder aus eigener Kraft noch mit Hilfe seiner Brüder aus dem Absaugrohr habe befreien können.

Dem Kind sei, entgegen der Meinung des Reiseunternehmens, kein Mitverschulden anzulasten. ITS hatte laut Schreiben des Oberlandesgerichts in Erwägung gezogen, dass Philipp den Arm bewusst in das Absaugrohr gesteckt hatte. Entschieden lehnte das Oberlandesgericht den Vorwurf ab, dass die Eltern Mitschuld am Tod des Kindes gehabt hätten.

„Ich war gemeinsam mit meinem Bruder und meiner Schwägerin in Köln. Außerdem waren drei Mütter vor Ort, die ebenfalls ihre Kinder bei solchen Unfällen verloren haben“, erzählt Evelyn Wagner, die mit ihrem Vorgehen anderen Mut machen möchte. „Selbst wenn die Kinder sich nur verletzten, sollte man etwas unternehmen“, sagt sie. Ob ihr Kampf gewonnen und vorbei ist, wird Evelyn Wagner erst in etwa einem Jahr wissen. Dem Reiseunternehmen ITS wurde nämlich die Möglichkeit zur Revision am Bundesgerichtshof zugesprochen. „Dieses Urteil in zweiter Instanz hat uns aber erst einmal so viel Kraft gegeben, das wir einen weiteren Prozess durchstehen können“, sagt Evelyn Wagner.

vor dem GerichtsgebäudeAm 24. November wird Familie Wagner erneut nach Griechenland fliegen, wo der Berufungsprozess der Rutschen- und Hotelbetreiber sowie der Rettungsschwimmerin laufen. Der Hotelbetreiber wurde zu 18 Monaten Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung und zwei Monaten Gefängnis wegen Betreiben einer nicht genehmigten Anlage verurteilt. Er hat Berufung eingelegt, genau wie der wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Rutschenbetreiber.

Die Rettungsschwimmerin bekam drei 3 Jahre auf Bewährung und ging in Revision. Das Verfahren wurde an das Oberlandesgericht in Thessaloniki abgegeben, wo Evelyn Wagner erneut aussagen wird.





Freies Wort 13.09.2005
 


 
 Freies Wort  03.12.2005
TEILERFOLG MIT WERMUTSTROPFEN
„Sie tanzte wie zum Hohn vor der Kamera“

Eigentlich hätte ihnen ein Stein vom Herzen fallen müssen. Auch in der Berufungsverhandlung vor wenigen Tagen am Oberlandesgericht in Thessaloniki wurden die Haftstrafen für den Hotelbesitzer und den Rutschenbetreiber bestätigt. Deren Fahrlässigkeit hatte vor vier Jahren dem damals elfjährigen Sohn der Wagners das Leben gekostet. Doch der Erfolg im Kampf der Wernshäuser Familie um Gerechtigkeit wurde auch von einem Freispruch überschattet.
WERNSHAUSEN – Das Bild werden Evelyn und Thomas Wagner nicht los: Die Rettungsschwimmerin, die nicht an ihrem Platz war, als Philipp Wagner im Pool der Rutsche ertrank, tanzte und warf Handküsse in die deutsche Kamera vor dem Gericht in Thessaloniki. Sie schäumte über vor Freude über ihren Freispruch. „Das war wie eine Verhöhnung für uns und unseren toten Sohn“, sagt das Ehepaar gegenüber Freies Wort .
Gemeinsam mit ihren beiden anderen Söhnen waren sie vor einer Woche nach Griechenland geflogen zur Berufungsverhandlung. Philipp war im Sommer 2001 im Pool einer Wasserrutsche ertrunken, weil er mit seinem Arm unter Wasser in einen ungesicherten Ansaugstutzen geraten war und sich nicht befreien konnte. Die Rutsche war damals noch ein Schwarzbau, was die Wagners nicht wussten. Die Reiseleitung hatte nicht davor gewarnt, sondern noch erklärt, wo man die Karten für diese Attraktion in der Ferienanlage kaufen konnte. Die Eltern wähnten ihre Kinder dort unter Aufsicht. Doch die Rettungsschwimmerin, die eigentlich immer vor Ort sein müsste, hatte im entscheidenden Moment ihren Platz verlassen.
Gegen viele Widerstände hatten die Wagners damals die Eröffnung eines Gerichtsverfahrens in Griechenland erzwungen. Mit fingierten Gutachten und Falschaussagen habe die Hotellobby versucht, mit allen Mitteln einen Prozess zu verhindern. Doch schließlich konnte sich auch das Gericht den erdrückenden Beweisen für eine fahrlässige Tötung nicht verschließen. 18 Monate Haft ohne Bewährung erhielt der Hauptangeklagte, der Eigentümer von Hotel und Rutsche, wegen fahrlässiger Tötung und noch einmal zwei Monate wegen Schwarzbaus. Zu 18 Monaten Haft wurden auch der Sohn des Hoteliers als Rutschenbetreiber und die Rettungsschwimmerin in erster Instanz verurteilt, allerdings ausgesetzt zu 3 Jahren auf Bewährung. Dass alle drei in Berufung gehen würden, war klar.
Die Wagners sind sich sicher, dass auch das nicht das letzte Urteil war. Der Hotelbesitzer und sein Sohn werden wahrscheinlich nichts unversucht lassen, die Strafe noch zu mildern. Doch auch Evelyn Wagner und ihr Mann Thomas erwägen, gegen den Freispruch der Rettungsschwimmerin vorzugehen. Kein Wort des Bedauerns oder der Entschuldigung habe man in all der Zeit von ihr gehört, vielmehr habe sie versucht durch Falschaussagen ein Gerichstverfahren zu verhindern. Dabei habe sie von der Gefahr gewusst, denn wenige Tage zuvor hatte ein anderes Kind mit dem Knie im Ansaugrohr festgesteckt. Zwei bis drei Monate werden vergehen, bis die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt. Dann kann das höchste Gericht Griechenlands, das „Areopag“ in Athen angerufen werden.
„Wir müssen zu Ende kämpfen, damit anderen solches Leid, wie es unserer Familie geschehn ist, erspart bleibt“, sagte Evelyn Wagner, die inzwischen einen Verein gegründet hat – gemeinsam mit ihrem Mann und anderen Familien, die auf Urlaubsreisen wegen Sicherheitsmängeln zu Schaden kamen. Und sie sieht auch gerade auf Chalkidiki, wo ein schöner Familienurlaub mit dem tragischen Tod eines ihrer Söhne endete, dass ihre Beharrlichkeit Wirkung zeigt – auch außerhalb der Gerichte. Es gebe wohl kaum noch einen Pool mit einem ungesicherten Ansaugrohr. Vielerorts sehe man auch Schilder mit Verhaltensregeln für die Poolbenutzer. Die Hoteliers legten jetzt deutlich mehr Aufmerksamkeit auf die Sicherheit ihrer Gäste, haben die Wagners erfahren.
„Und wir haben viel Zuspruch bekommen von der griechischen Bevölkerung, was uns auch immer wieder Mut und Kraft gibt weiterzumachen“, betonte Evelyn Wagner und richtet ihren Dank auch an Freunde und Bekannte in der Heimat. Enttäuscht ist sie dagegen von der deutschen Regierung. „Dabei geht es doch hier um die Sicherheit aller Urlauber!“ Vom Justizministerium bekam Evelyn Wagner vor Monaten nur eine bedauernde Antwort, man könne in einem solchen Fall leider nicht helfen. Selbst das deutsche Konsulat in Griechenland habe um Unterstützung aus Deutschland gebeten, aber nicht mal eine Antwort bekommen . WALTRAUD NAGEL
 

Letzter Akt eines Dramas
VON MARTIN W. HUFF, 18.07.06, 06:45h

Heute verhandelt der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe einen dramatischen und traurigen Fall, über den schon das Landgericht und das Oberlandesgericht in Köln entschieden haben. Sie verurteilten den Reiseveranstalter ITS zu Schmerzensgeld und Schadensersatz. Doch das Reiseunternehmen will seine Verantwortung nicht akzeptieren und versucht sein Glück jetzt in Karlsruhe. Es ist zu hoffen, dass die Bundesrichter die Revision zurückweisen.

Im Sommer 2001 hatte eine Familie mit drei Söhnen eine Reise nach Griechenland gebucht. Zu Beginn der Saison war in der Hotelanlage eine Wasserrutsche eröffnet wurde, für deren Benutzung ein Entgelt zu zahlen war. Im Reisekatalog stand nichts von der Rutsche. An einem der ersten Urlaubstage benutzten die drei Söhne das Spielgerät. Der elfjährige Philipp kam dabei mit seinem rechten Arm in das Ansaugrohr einer der Wasserpumpen und konnte von seinen Geschwistern nicht befreit werden. Philipp ertrank.

Es stellte sich heraus, dass die Rutsche baurechtlich nicht genehmigt war, dass ITS dies nicht überprüft hatte und dass ein Abdeckgitter vor dem Ansaugrohr vorgeschrieben war. Der Hotelier in Griechenland wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Der Veranstalter weigerte sich, der Familie die materiellen Schäden und ein Schmerzensgeld für den Verlust des Kindes zu zahlen. ITS argumentierte, da die Rutsche nicht im Prospekt stand und nur gegen ein Entgelt zu benutzen war, habe der Veranstalter - anders als bei angegebenen Einrichtungen - keinerlei Verkehrssicherungspflichten.

Die Folgen für den Urlauber wären aber womöglich fatal, wenn die Haftung eines Reiseveranstalters davon abhinge, welche Einrichtungen einer Hotelanlage er im Prospekt erwähnt und welche nicht. Man denke etwa Fahrstühle, eine Sauna oder Solarien. Genau dies wollte der Gesetzgeber aber nicht, als er das Reisevertragsrecht schuf. Auch die Aussage, es bestand keine Pflicht, die Wasserrutsche zu überprüfen, muss skeptisch beurteilt werden. Bisher haben Gerichte die Prüfungspflichten von Veranstaltern streng gehandhabt.

Es ist zu hoffen, dass der Bundesgerichtshof bei seiner bisherigen Rechtsprechung bleibt und die Kölner Urteile bestätigt. Und es ist zu hoffen, dass der Reiseveranstalter danach ein Einsehen hat und für den Fehler geradesteht. Damit dass er dies bisher nicht getan hat, sondern sogar der Familie eine Mitschuld geben wollte, hat er der Branche insgesamt geschadet.

Aktenzeichen: BGH X ZR 142 / 05

Der Autor, Anwalt und Journalist ist Mitglied im Vorstand der Rechtsanwaltskammer Köln

Philipps Vermächtnis

Süddeutsche, 18.07.2006, 18:43
Von Helmut Kerscher

Für die Eltern des Elfjährigen, der bei einem vermeidbaren Badeunfall starb, geht ein jahrelanger Kampf durch die Instanzen zu Ende. Der Bundesgerichtshof zwingt nun Touristik-Unternehmen, Ferienanlagen schärfer zu kontrollieren.

Gefühlsausbrüche gibt es bei Verhandlungen und Urteilsverkündungen des Bundgerichtshofs (BGH) sehr selten. Praktisch nie gibt es sie bei dem vor allem für Patentrecht zuständigen X. Zivilsenat.

Aber an diesem Dienstag ging es um Reiserecht, an diesem Tag waren die Beteiligten (und mit ihnen ein Schwarm von Kamerateams) selbst gekommen. In der ersten Reihe saßen die Eltern eines bei einem Badeunfall in Griechenland im Sommer 2001 ums Leben gekommenen Jungen. Dieser Unfall an einer Rutsche, verursacht durch ein ungesichertes Absaugrohr im Becken, wäre vermeidbar gewesen, wenn sich der Reiseveranstalter, die REWE- Gesellschaft ITS, pflichtgemäß verhalten hätte, befand BGH-Richter Klaus-Jürgen Melullis.

Der Veranstalter hätte dann nämlich erfahren, dass die Rutsche ohne formelle Baugenehmigung errichtet worden sei. Nach der knappen Begründung gab es Jubel und Tränen der Erleichterung. "Nach all den Jahren kann uns dieses Urteil jetzt keiner mehr nehmen", sagte die Mutter des toten Jungen, Evelyn Wagner. Ihr Mann glaubt, dass nach diesem Urteil "mehr Kinder als bisher wieder gesund aus dem Urlaub nach Hause kommen". Beiden ging es ersichtlich nicht um die jeweils 20.000 Euro Schmerzensgeld, die nun ihnen und ihren beiden Söhnen rechtskräftig zugesprochen sind. Sie verstanden den Kampf durch die Instanzen nach eigenen Worten immer auch als einen Kampf um Gerechtigkeit.

Richter Melullis hatte in seinen einführenden Worten von einem "sehr schrecklichen Ereignis" gesprochen. Dass der Tod des elfjährigen Philipp mittlerweile Millionen von Menschen bekannt ist, liegt am Engagement der Eltern.

Sie gründeten den Verein "Hilfe bei Reiseunfällen" und machten dadurch andere Betroffene wie auch die Medien auf sich aufmerksam. Auf ihrer Internetseite www.philippstraeume.de beschrieb Evelyn Wagner den Tod ihres Sohnes und ließ zehn weitere Unglücksfälle dokumentieren.

Sie hätten ihren Kindern auch einmal etwas bieten wollen, schreibt sie, und deshalb ihre erste Flugreise gebucht: zwei Wochen Hotelurlaub auf der griechischen Halbinsel Athos. Vom ersten Tag an seien ihre Jungen von der Riesenrutsche vor der Ferienwohnung begeistert gewesen, für deren Nutzung ein Tagesticket zum Preis von umgerechnet 4,50 Euro verlangte wurde.

Was die Wagners nicht wussten: Die neue Rutsche war ein Schwarzbau; im Becken gab es mehrere Absaugrohre ohne Sicherungen, weshalb es schon mehrmals zu Unfällen gekommen war. Für den Mittwoch nach der Ankunft hatten die Eltern ihren Kindern einen "Rutschtag" versprochen.

Bis zum Mittag ging alles gut. Doch dann kam es zur Katastrophe. Philipp geriet unter Wasser mit dem Arm in das Absaugrohr, aus dem er auch von seinen Brüdern nicht mehr herausgezogen werden konnte. Er wurde bewusstlos an den Beckenrand gebracht. Weder die Wiederbelebungsversuche seiner Eltern noch die der Ärzte konnten ihm helfen.

Naturgemäß weit weniger detailliert wurden die Umstände von Philipps Tod in der BGH-Verhandlung dargestellt. Streng juristisch ging es in erster Linie um die so genannte Reichweite der Verkehrssicherungspflicht des Reiseveranstalters - also um die Frage, wie weit ein Reiseveranstalter für die Sicherheit vor Ort verantwortlich ist.

Der Anwalt des Veranstalters wies darauf hin, dass die Rutsche gar nicht im Prospekt gestanden habe. Darauf könne es nicht ankommen, meinte der Gegenanwalt. Schließlich stünden häufig auch Balkone und Küchen nicht extra im Prospekt, was bei Mängeln aber nicht entscheidend sei.

So konzentrierte sich die Verhandlung auf die Fragen, ob die durch einen Zaun abgetrennte und nur gegen Extrageld benutzbare Wasserrutsche überhaupt zum "Leistungsangebot" des Veranstalters gezählt habe. Der BGH bejahte dies eindeutig.

Der Reiseveranstalter hätte deshalb die Sicherheit der Rutsche prüfen müssen. Seine Pflichten habe er schon dadurch verletzt, dass er nicht nach einer formellen Baugenehmigung gefragt habe, sagte Richter Mellulis.

Die Eltern des ertrunkenen Kindes warten nun noch auf den Ausgang eines Strafprozesses in Griechenland. In erster Instanz seien der Hotelier und der Betreiber der Rutsche verurteilt worden, berichteten sie.

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Das Strafverfahren in Griechenland wurde im Frühjahr 2009 rechtskräftig. Der Areopag (Oberster Gerichtshof in Athen), wies die Revisionen der drei Angeklagten zurück.

Evelyn Wagner

Wernshausen, den 30.04.2009