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  29.05.2017 Ferienhaus Ostsee

Melanie

Melanie Stark

Melanie ertrank am 30.07.2011 in einem türkischen Hotelpool. Familie S. aus Münchenstein/Schweiz buchte ihre Sommerreise über den Reiseveranstalter „Urlaubstours“ in das Hotel Doris Aytur bei Alanya/Türkei.

In der zweiten Urlaubswoche schwimmt Melanie im Auslaufbecken der hoteleigenen Rutsche. Viele Kinder und Erwachsene, auch Melanies Mutter und ihr Bruder baden in dem nur 1,10 m tiefen Schwimmbad. Die Elfjährige ist eine erfahrene Schwimmerin und taucht sehr gerne mit ihrer Taucherbrille. Plötzlich gerät das Kind in die Nähe eines Absaugrohres im Auslaufbecken der Wasserrutsche. Ihr Bein wird in das Rohr eingesogen. Melanie wird unter Wasser festgehalten.

Nach einigen Minuten schaltet die Pumpe ab und der leblose Körper treibt an die Wasseroberfläche. Das Mädchen wird sofort aus dem Wasser geholt und an den Beckenrand gelegt. Melanies Mutter beginnt sofort mit Mund-zu-Mund-Beatmung und ein Hotelgast übernimmt die Herzmassage. Zwei weitere Touristen helfen. Die Viertklässlerin erbricht zweimal. Noch einmal öffnet Melanie kurz ihre Augen und sieht ihre Mutter an.

Es dauert 30 Minuten bis ein Notarzt am Unfallort eintrifft. Das Rettungsteam ringt weitere 20 bis 30 Minuten lang um das Leben von Melanie. Ein Mann vom Rettungsteam nimmt dann eine Tischdecke und deckt Melanie damit zu. Melanies rechtes Bein ist vom Oberschenkel bis zum Fuß dunkelblau, violett und schwarz verfärbt. Niemand der Anwesenden kann nachvollziehen, wo oder an welcher Stelle im Pool, sich Melanie diese schweren Verletzungen zugezogen hat. Später stellt sich heraus, dass ein Schutzgitter vor dem Absaugrohr fehlte. Den Gästen fällt nun auch auf, dass sich die Hotelangestellten wenig um den Pool mit den Rutschen kümmerten. Es gibt weder einen qualifizierten Bademeister noch eine Aufsicht. Es fehlt zudem der Notfallknopf zum Ausschalten der Pumpen.

Die Gendarmerie kommt zur Unfallstelle und klärt den Sachverhalt kurz ab. Sie macht zwei Fotos und nimmt Melanies Mutter mit aufs Revier, wo sie einige Stunden lang verhört wird. Der verstörte Vater und der zehnjährige Sohn bleiben in der Hotelanlage. Die besorgten anderen Hotelgäste kümmern sich um die Beiden und leisten Beistand.

In der Nacht nach Melanies Tod versuchen zwei Arbeiter ein neues stabileres Gitter heimlich zu installieren, um die Ursache des Badeunfalls zu vertuschen. Doch die Arbeiter werden dabei ertappt. Ein paar Tage später werden sie ausfindig gemacht und von der Gendarmerie verhört. Erst nach fünf Tagen sperrt die Polizei den Pool und lässt das Wasser ablaufen! Viel zu spät für eine lückenlose Untersuchung der Unfallursache. Der Hotelmanager wird von einem RTL-Fernsehteam besucht. Die Reporter filmen und versuchen die Ursache des Unfalls zu ergründen. Der türkische Hotelmanager streitet die Mängel im Pool ab und behauptet dreist, dass Melanie wohl ein Herzproblem gehabt haben muss und daran gestorben sei!

Niemand von den Hotelangestellten oder vom Reiseveranstalter „Urlaubstours“ kümmert sich um die Familie. Man lässt Familie S. allein mit ihrer Trauer und dem unerträglichen Schmerz, ohne jegliche psychologische Hilfe.

Zurück in der Schweiz, geht die Familie zur örtlichen Polizei. Um die Todesursache von Melanie medizinisch festzuhalten, wird eine Nachsektion in der Schweiz eingeleitet. Die Eltern von Melanie schalten eine deutsche Rechtsanwaltskanzlei ein, da die Reise in Deutschland gebucht wurde. Durch die Kanzlei wird geprüft, inwieweit der Reiseveranstalter „Urlaubstours“ (Leipzig) seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat.

Melanie wurde am 09.08.2011 in Münchenstein beerdigt. Die Anteilnahme war groß. Dreihundert Trauergäste, darunter ihre Schulkameraden mit denen sie nach den Sommerferien in die fünfte Klasse versetzt worden wäre, verabschiedeten sich unter Tränen mit Plüschtieren und Konfetti von ihr.

Melanies Vater: „Wir haben zwar dem Hotelbetreiber vergeben. Wir haben aber auch ein großes Verlangen nach Gerechtigkeit für unsere Tochter. Es darf nicht sein, dass ein solches Versäumnis und Versagen ohne Strafe bleibt! Unser größter Wunsch ist, dass sich so ein vermeidbarer Badeunfall nicht wiederholt und ein Kind wegen einer solchen Schlamperei sterben muss, so grausam aus dem Leben gerissen wird, wie unsere Tochter. Es soll keine Familie mehr ein solches Leiden durchleben müssen!“

Herr S. weiter: „Nach der Beerdigung wurden wir mit unserer Trauer alleine gelassen. Doch wir finden Halt, Hoffnung und Trost in den Verheißungen der Bibel. Wir suchen Rat und Hilfe bei Therapeuten und Freunden. Manchmal kommen Zweifel und Ratlosigkeit auf, aber wir glauben, dass Gott ein liebender Gott ist und er einen perfekten Plan für das Leben jedes Einzelnen hat. Unsere persönlichen Pläne stimmen nicht immer mit seinem perfekten Plan überein, aber dies verändert nichts daran. Er ist Liebe - und Gott meint es gut mit Melanie! Abschied nehmen fällt schwer, aber wir freuen uns auf ein Wiedersehen, wenn wir gemeinsam bei Jesus im Himmel sein werden!“

Michael S., Münchenstein, 08.01.2012

Evelyn Wagner, Schmalkalden, den 09.01.2012